CED bei Kindern und Jugendlichen

Jeder vierte Patient erhält die Diagnose bereits als Kind

10.04.2018

„In Deutschland sind etwa 400.000 Menschen von den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) Morbus Crohn und Colitis ulcerosa betroffen“, sagt der CED-Experte der niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte, PD Dr. Bernd Bokemeyer. „Die Diagnose wird bei etwa einem Viertel der Patienten schon vor dem 18. Lebensjahr gestellt. Ein Viertel dieser erkrankten Jugendlichen hat seine Diagnose sogar schon vor dem zehnten Lebensjahr erhalten.“

CED-Patienten leiden unter wiederkehrenden und teils anhaltenden Krankheitsschüben, die ohne einen äußeren Anlass einsetzen können. Morbus Crohn befällt den gesamten Darm, Colitis ulcerosa bleibt auf den Dickdarm beschränkt. Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen sind nicht heilbar. „Wir haben jedoch gute Behandlungsmöglichkeiten, um die Krankheitsschübe zu unterbinden oder zumindest abzumildern“ erklärt Dr. Bokemeyer.

Jedes Jahr erkranken in Deutschland zwischen 800 und 1.500 Kinder und Jugendliche neu an einer Chronisch-entzündliche Darmerkrankung. Dabei wächst der Anteil der Kinder, die bereits vor dem fünften Lebensjahr erkranken. Grundsätzlich stehen mit den spezialisierten Versorgungsangeboten der niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte flächendeckend Betreuungsmöglichkeiten zur Verfügung. Aber die sind in erster Linie auf Erwachsene ausgerichtet. Für Heranwachsende sind eigentlich besonders auf CED spezialisierten Kinderärzte zuständig.

„Wir niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte sind uns bewusst, dass es hier einen Versorgungsengpass gibt und dass insbesondere der Übergang vom betreuenden – auf CED-ausgerichteten – Kinderarzt in die spezialisierte Versorgung der Erwachsenen oft nicht einfach ist“, so Bokemeyer, „wir suchen deshalb den Schulterschluss mit den Kindergastroenterologen und sind bemüht, diese Problematik stärker in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu tragen. Letzten Endes haben wir alle gemeinsam ein hohes Interesse daran, dass auch den betroffenen jungen Patienten ein unbeschwertes Leben in unser Gesellschaft ohne krankheitsbedingte Einschränkungen ermöglicht werden kann.“

Botschafter des Jahres

Stiftung Lebensblicke würdigt niedergelassenen Magen-Darm-Arzt

03.04.2018

Die Stiftung LebensBlicke hat sich dem Kampf gegen den Darmkrebs verschrieben und engagiert sich seit 1998 dafür, die Akzeptanz von Vorsorge und Früherkennung dieser bösartigen Tumorerkrankung in der Bevölkerung zu stärken. Mit der Ernennung von Privatdozent Dr. Christoph Schmidt zum „Botschafter des Jahres“ würdigt sie den Einsatz des niedergelassenen Magen-Darm-Arztes im Bereich der Aufklärung über die Risiken des familiären Darmkrebs.

„Die Darmkrebsvorsorge ist eine der Hauptaufgaben der niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte“, betont Dr. Albert Beyer vom Berufsverband der Fachgruppe. „Dr. Schmidt ist einer der profiliertesten Vertreter unserer Berufsgruppe, der sich schon sehr lange im Rahmen der berufspolitischen Arbeit für die Versorgung von Darmkrebspatienten einsetzt. Er gehört zu den Pionieren der Entwicklung von Darmkrebszentren, in denen ambulante und stationäre Maßnahmen auf bewährte Weise miteinander verzahnt sind. Viel Aufmerksamkeit finden die von ihm maßgeblich getragenen Benefizveranstaltungen, deren Erlöse für den Kampf gegen den Darmkrebs verwendet werden. Derzeit entwickelt er für den Berufsverband ein Konzept, mit dem nahe Angehörige von Darmkrebspatienten für ihr erhöhtes Erkrankungsrisiko sensibilisiert werden sollen.“

Mit der Ernennung zu ihrem Botschafter 2018 unterstreicht die Stiftung LebensBlicke die Bedeutung der familiären Anamnese bei Darmkrebs. Sie empfiehlt betroffenen Personen dringend, die Möglichkeiten der Darmkrebsvorsorge zu nutzen. „Eine Reihe strukturierter Maßnahmen führt in Deutschland mittlerweile zu einer Senkung der Darmkrebssterblichkeit“, stellt PD Dr. Schmidt heraus. „Die niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte bilden ein gewichtiges Fundament in dieser Versorgungskette. Ohne den Einsatz und das Engagement der niedergelassenen Kollegen wären wir im Kampf gegen den Darmkrebs noch lange nicht da, wo wir heute stehen.“

15 Jahre Screening

Darmkrebs muss nicht sein!

26.02.2018

„Nach 15 Jahren der gesetzlich geregelten Darmkrebsvorsorge können wir heute eine positive Bilanz ziehen“, erklärt Dr. Jens Aschenbeck, der Darmkrebs-Experte der niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte anlässlich des diesjährigen Darmkrebsmonats März. „Nach Angaben der Stiftung LebensBlicke, die durch Untersuchungen des Heidelberger Epidemiologen Hermann Brenner gestützt werden, konnten mehr als 180.000 Darmkrebs-Neuerkrankungen verhindert werden.“

Am 1. Oktober 2002 ging das Programm zur gesetzlichen Darmkrebsfrüherkennung an den Start. Neben dem Stuhltest auf okkultes Blut konnten alle Bürger über 55 Jahre die Vorsorgekoloskopie erstmalig und damals weltweit einzigartig auf Kassenkosten in Anspruch nehmen. Daten des Robert Koch-Instituts in Berlin belegen heute, dass die Neuerkrankungsrate in den letzten 15 Jahren um 14 Prozent zurückgegangen ist und dass rund 40.000 Patienten nicht an ihrem Darmkrebs verstorben sind.

Anlässlich des Darmkrebsmonats 2017 haben die niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte auf die besonders durch Darmkrebs gefährdete Gruppe der nahen Angehörigen von Darmkrebspatienten aufmerksam gemacht. „Bei Angehörigen von Darmkrebserkrankten liegt das Risiko, ebenfalls zu erkranken, im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung zwei bis vier Mal so hoch“, erklärt Dr. Aschenbeck. „Gerade für diese Menschen ist eine vorsorgliche Darmspiegelung dringend zu empfehlen.“

Appell an die Vernunft

Gleichschaltung schadet dem Gesundheitswesen

31.01.2018

„Wir niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte sind fest davon überzeugt, dass das Nebeneinander von privater und gesetzlicher Versicherung unseren Spitzenplatz in der Gesundheitsversorgung sichert“, erklärt der Vorsitzende des Berufsverbandes (bng), Dr. Albert Beyer vor dem Hintergrund der anstehenden Koalitionsverhandlungen in Berlin.

Der in eigener Praxis tätige Facharzt äußert sich online auf dem Patientenportal der Magen-Darm-Ärzte ausführlich zu Für und Wider der Mischfinanzierung im deutschen Gesundheitswesen. Auf den ersten Blick wecke das natürliche Gerechtigkeitsempfinden Misstrauen, wenn für vergleichbare Leistungen unterschiedliche Preise bezahlt werden. Doch, so Beyer, wenn man ins Detail schaue, springe jedoch schnell ist ins Auge, dass es sich tatsächlich um eine Win-win-Situation handele.

Die unterschiedlichen Preise sind laut Beyer den unterschiedlichen Systemen geschuldet, in denen sie generiert werden. Die private Gebührenordnung lege ausgehandelte Preise fest, die es erlauben, kurzfristig medizinische Innovationen sowie zusätzliches qualifiziertes Personal in der ambulanten Behandlung bereit stellen zu können. Der Vergütung im Bereich des regulierten Systems der kassenärztlichen Versorgung sind hingegen starke Beschränkungen auferlegt. Der erzwungene günstige Vergütungsrahmen habe einen hohen Preis, sagt der Verbandsvorsitzende der Magen-Darm-Ärzte: „In der gesetzlichen Krankenversicherung wird nur eine bestimmte Menge an genau definierten Leistungen bezahlt. Darüber hinaus geht so gut wie nichts.“

„Im derzeitigen System erfolgt eine laufende Gegenfinanzierung des starren gesetzlich budgetierten Systems durch die Einnahmen von Praxen und Kliniken aus der Versorgung der Privatversicherten. Gesetzlich versicherte Patienten sind damit in der Lage, Geräte und auch Praxispersonal in Anspruch zu nehmen, die ohne diese Querfinanzierung nicht zur Verfügung stünden. Alle Patienten profitieren daher direkt von dem dualen System“, so Dr. Beyer.

Kapselendoskopie

Zwischen Innovation und Stagnation

15.01.2018

„Neue, medizinisch relevante Verfahren haben es schwer, ihren Weg in die ambulante Regelversorgung zu finden“, sagt Dr. Horst Hohn, der Experte für Kapselendoskopie im Berufsverband der niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte. „Die Hürden sind so hoch gehängt, dass sie vor dem Hintergrund der Versorgungsrealität kaum überwunden werden können.“

Der erfahrene Endoskopiker äußerte sich im Rahmen der jährlichen Zusammenkunft des Beirats der ambulant tätigen Magen-Darm-Ärzte am vergangenen Wochenende in Berlin. Bei dieser Veranstaltung wird neben berufspolitischen Aspekten regelmäßig die Versorgungslage von chronisch erkrankten Patienten erörtert, die aufgrund schwer wiegender Erkrankungen der Verdauungsorgane auf eine intensive Betreuung in der Facharztpraxis angewiesen sind.

Zu den betroffenen Patienten gehören unter anderen Menschen mit chronischen Entzündungen, die im Dünndarm lokalisiert sind. Der Dünndarm ist für endoskopische Untersuchungsmethoden sehr schwer zugänglich. Neben äußerlichen bildgebenden Verfahren wie Ultraschall, CT oder MRT und sehr aufwändigen endoskopischen Methoden steht dafür mit der Kapselendoskopie ein nicht belastendes und sehr aussagekräftiges Instrument zur Verfügung. Die Untersuchung erfolgt mit einer Videokapsel in Tablettengröße, die vom Patienten geschluckt wird und während der Darmpassage kontinuierlich hochauflösende Bilder von der Darmoberfläche aufzeichnet.

„Das Verfahren ist anderen Methoden deutlich überlegen und wird in medizinischen Leitlinien empfohlen“, erklärt Dr. Hohn. „Trotzdem kann es im Rahmen der gesetzlichen Krankenkassen von niedergelassenen Ärzten nicht für die Abklärung von chronischen Entzündungen im Dünndarm abgerechnet werden. Dazu müsste es erst ein Zulassungsverfahren durchlaufen, in dem Kosten und Nutzen auf der Basis von Studien bewertet werden. Da keine Studien mit ausreichender Qualität vorliegen und eine Finanzierung solcher Studien nicht in Sicht ist, besteht keine Aussicht auf Erfolg für einen Zulassungsantrag.“

Diese Sachlage führt dazu, dass der Arzt seine Entscheidung für oder gegen eine sehr teure Therapie zurzeit nicht auf die Basis einer effektiven Methode stützen kann, deren Überlegenheit eigentlich von keiner Seite in Abrede gestellt wird. Er muss stattdessen auf weniger geeignete Methoden zurückgreifen, die oft nur eine unsichere Einschätzung des Krankheitsbildes ermöglichen. „Zulassungsverfahren für neue Methoden sind ohne Zweifel erforderlich, um Wildwuchs im Versorgungsangebot zu unterbinden“ meint Dr. Hohn. „Aber es ist widersinnig, wenn die Kriterien für die Zulassung so gefasst sind, dass Methoden, die eine zuverlässige Entscheidung für hochpreisige Therapien absichern, keine Chance haben.“

Darmkrebs

In hohem Maße genetisch bedingt

08.01.2018

„Die Gene haben einen starken Einfluss auf das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken“, berichtet Dr. Jens Aschenbeck, der Darmkrebs-Experte der niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte. „Nach kürzlich veröffentlichten Ergebnissen einer groß angelegten Zwillingsstudie haben bis zu 40 Prozent aller Darmkrebsfälle eine erbliche Komponente.“

Im Rahmen der erwähnten Studie wurden Registerdaten von rund 100.000 skandinavischen Zwillingen aus den Jahren 1943 bis 2010 ausgewertet. Das durchschnittliche Darmkrebsrisiko lag bei 4,6 Prozent, das Risiko für Brüder oder Schwestern von erkrankten Zwillingen im Verlauf der nächsten Jahre ebenfalls zu erkranken war zwei bis drei Mal so hoch.

„Die neue Studie bestätigt klar, was wir schon lange wissen“, kommentiert Dr. Aschenbeck. „Nahe Verwandte von Darmkrebspatienten, insbesondere Geschwister, Eltern und Kinder, laufen Gefahr, ebenfalls von dieser lebensbedrohlichen Erkrankung befallen zu werden. Deshalb ist es wichtig, dass gerade diese Angehörigen beizeiten von den Vorsorge-Angeboten Gebrauch machen.“

Der Berufsverband der niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte (bng) hat eine Initiative „Familiärer Darmkrebs“ auf den Weg gebracht. Darmkrebspatienten sollen motiviert werden, ihre Verwandten auf das erhöhte Risiko aufmerksam zu machen und zur rechtzeitigen Wahrnehmung der Vorsorgemöglichkeiten anzuhalten. Die Aufklärung übernimmt speziell qualifiziertes Assistenzpersonal in den Praxen. Die Mitarbeiterinnen erwerben die nötigen Kompetenzen zur strukturierten Beratung in regionalen Schulungen, die der Berufsverband finanziert.

Wenn die Bürgerversicherung kommt

bleibt der medizinische Fortschritt auf der Strecke

18.12.2017

„Im Vorfeld möglicher Koalitionsverhandlungen singt die SPD so laut wie nie zuvor das Loblied auf die Bürgerversicherung, obwohl inzwischen immer mehr Beteiligte bis hin zu den Gesetzlichen Krankenversicherungen verstehen, dass an diesem Konzept nur der Name gut ist“, sagt Dr. Franz Josef Heil vom Berufsverband der niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte (bng).

Im Alltag zeigt sich der Unterschied zwischen GKV- und PKV-Patienten in den Praxen der Verdauungsmediziner vor allem beim Komfort. Verschwiegen wird in der Regel allerdings, dass die Möglichkeit der „privaten“ Behandlung auch eine Medizin erlaubt, die über staatlich geregelte Begrenzungen hinausgeht. In der GKV können neue Methoden oft nur mit jahrelanger Verzögerung oder gar nicht angeboten werden, weil die Mühlen der für die Zulassung zuständigen Gremien und Behörden nur sehr langsam mahlen.

Der Berufsverband der niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte hat schon vor mehr als zweieinhalb Jahren einen medizinisch gut begründeten Katalog neuer Leistungen für die gesetzliche Krankenversicherung vorgelegt. Eingeführt wurde bisher keine einzige dieser innovativen Methoden. „In unseren Praxen können wir alle von uns vorgeschlagenen medizinischen Behandlungen Privatpatienten seit Jahren anbieten, aber GKV-Patienten bleiben sie vorenthalten“, bedauert Dr. Heil.

Diese missliche, politisch verursachte Situation lässt führt dazu, dass sich die Behandlung von „Kassenpatienten“ immer weiter verschlechtert, die Behandlung von „Privatpatienten“ aber dem modernen medizinischen Standard entspricht, wie er in aktuellen Leitlinien definiert ist. Es ist absurd, daraus den Vorwurf einer vorgeblichen Zweiklassenmedizin zu konstruieren. Die Bürgerversicherung würde an der Situation nichts ändern, sondern im Gegenteil die Lage für alle Bürger weiter verschlechtern. Der Transfer des medizinischen Fortschritts in die ambulante Versorgung würde durch neue bürokratische Hürden noch stärker als bisher behindert.

Auf ihrem Patientenportal im Internet haben die Magen-Darm-Ärzte Informationen zum Innovationsstau in der ambulanten Versorgung zusammengestellt. Dort finden sich auch Beispiele für sinnvolle und international anerkannte Methoden, die GKV-Patienten nach wie vor vorenthalten bleiben: Informationen zum Innovationsstau.

15 Jahre Darmkrebsvorsorge

90 Prozent würden es wieder machen!

12.12.2017

„Die Darmspiegelung zählt zweifelsohne nicht zu den Lieblingsbeschäftigungen der Deutschen“, weiß Dr. Jens Aschenbeck, der Darmkrebsexperte der niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte. „Trotzdem würden heute 90 Prozent die Untersuchung wieder durchführen lassen. Denn die Unannehmlichkeiten sind im Vergleich zum Nutzen kaum noch der Rede wert.“

Mit dem konsequenten Angebot, die Untersuchung im Schlaf zu absolvieren, ist den Menschen die Angst vor Schmerzen genommen worden. Auch die Unannehmlichkeit eines Blähbauches ist kein Thema mehr, seit Kohlendioxid für die Darmspiegelung eingesetzt werden kann. Zudem wird die im Vorfeld leider unabdingbare Darmreinigung durch die Verringerung der Menge und die geschmackliche Verbesserung der Abführlösung wesentlich besser akzeptiert.

Seit diesem Jahr können noch nicht anspruchsberechtigte Bürger unter 55 Jahren darüber hinaus ein immunologischen Stuhltest (iFOBT) zur Vorsorge wählen. Dieser Test ist zwar genau, erfüllt seinen Zweck aber nur, wenn ein Polyp oder ein Tumor in den Darm blutet. Er kann aber auch bei anderen Blutungsquellen -z.B. Zahnfleischbluten – anschlagen. In jedem Fall soll das Ergebniss des Tests mit einem Arzt besprochen werden. Bei einem positiven Stuhltext steht immer eine Darmspiegelung an. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte sich lieber gleich für diese Untersuchung entscheiden.

„Heute weiß jeder, dass die Darmspiegelung wichtig ist, weil sie Krebs verhindern kann“, betont Dr. Aschenbeck. „Ein Einladungsverfahren kann nachgewiesenermaßen dazu beitragen, die Menschen zu bewegen, auch tatsächlich von dem Vorsorgeangebot Gebrauch zu machen. In Deutschland warten wir seit Jahren auf ein solches Verfahren. Es ist gesetzlich längst beschlossen, hängt aber leider immer noch in den Mühlen der Bürokratie.“

Bonus für die Krankenhäuser?

Praxispersonal darf nicht leer ausgehen!

04.12.2017

In einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel hat der Berufsverband der niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte (bng) darauf hingewiesen, dass jede künftige Bundesregierung für einen fairen Ausgleich sorgen muss, wenn sie die Weichen für die gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung neu stellt.

„Die Diskussion über den Mangel an Pflegepersonal in den Kliniken darf nicht den Blick dafür verstellen, dass die Medizinischen Fachangestellten in Arztpraxen eine genauso verantwortungsvolle Arbeit leisten wie die P?egekräfte in Krankenhäusern“, sagt der Verbandsvorsitzende Dr. Albert Beyer. Er betont, dass die Kostensteigerungen durch Tarifverträge niedergelassene Ärzte in gleicher Weise belasten wie die Krankenhäuser.

Medizinische Fachangestellte sind hochqualifizierte Experten im Umgang mit oft schwer erkrankten Patienten. In der Praxis des Magen-Darm-Arztes verfügen sie beispielsweise über spezielle Kenntnisse, um auf die Probleme von Menschen mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, Darmkrebs oder schweren viralen oder stoffwechselbedingten Lebererkrankungen und deren Folgen einzugehen. Sie verfügen über hochqualifiziertes Know-how, um bei technisch anspruchsvollen Diagnose- und Therapieverfahren assistieren zu können und übernehmen Verantwortung in so wichtigen Bereichen wie der Hygiene in der Praxis.

„Die CDU-Ministerpräsidenten haben sich im Vorfeld von Koalitionsverhandlungen in Abstimmung mit Bundesminister Hermann Gröhe erklärt, dass die P?ege in den Krankenhäusern durch bessere Arbeitsbedingungen und Bezahlung gestärkt werden muss. Die Refinanzierung von Tariflöhnen für zusätzliches Personal und Tarifsteigerungen soll dabei durch die öffentliche Hand übernommen werden“, sagt Dr. Beyer. „Wir vermissen hier die Einsicht, dass auch im ambulanten Sektor Personalkosten und Personalkostensteigerungen anfallen. Kein Politiker bestreitet den hohen Stellenwert der ambulanten Versorgung. Deshalb sollten unseres Erachtens im ambulanten wie im stationären Sektor zumindest die gleichen Bedingungen bei der Refinanzierung der Personalkosten gelten.“

Darmkrebs-Nachsorge per Smartphone

Alle Termine auf einen Blick

27.11.2017

„Die Flut der Kommunikations- und Unterhaltungstools für Smartphone-Nutzer lässt leicht übersehen, dass dieser niederschwellige Kommunikationskanal sehr effektiv genutzt werden kann, um die Eigenverantwortlichkeit und Selbstbestimmung von Patienten zu stärken“, sagt Dr. Ulrich Tappe. Der niedergelassene Magen-Darm-Arzt verweist dabei auf die Nachsorge-APP, die sein Berufsverband den behandelnden Ärzten für Darmkrebspatienten zur Verfügung stellt.

Nach einer mit Heilungsabsicht durchgeführten Darmkrebsoperation darf sich der Patient zu Recht die Hoffnung machen, auch tatsächlich geheilt zu sein. Dennoch sind Rückfälle nicht ausgeschlossen. Früh erkannt, kann aber auch ein solcher Rückfall noch geheilt werden. Absiedelungen in Lunge und Leber werden heute häufig nochmals einer Operation zugeführt. Durch eine multimodale Behandlung mit Chemotherapie, Bestrahlung und Operation kann die Lebensqualität und Lebenszeit gewonnen werden. Eine Nachsorge nach Darmkrebsoperationen sollte daher verpflichtend erfolgen. Außerdem tragen Darmkrebspatienten weiterhin ein erhöhtes Risiko erneut an einem Darmkrebs zu erkranken.

Die App der niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte informiert den Patienten über seine Nachsorgetermine nach einer Dick- oder Mastdarmkrebs-Operation. Dafür benötigt er einen QR-Code, den sein behandelnder Arzt nach Registrierung auf der Webseite des Berufsverbandes der Magen-Darm-Ärzte generieren kann. Wenn der Patient die Terminliste auf sein Smartphone in die bng-App geladen hat, kann er einen Zeitpunkt festlegen, zu dem er einen Hinweis auf die anstehende Untersuchung erhalten möchte.

„Die Nachsorge-Termine bieten ein unverzichtbares Sicherheitsnetz für die Patienten selbst“, betont Dr. Tappe. „Wichtig ist darüber hinaus, dass die Betroffenen an ihre Verwandten ersten Grades denken. Denn es besteht die Gefahr, dass auch Eltern, Geschwister, Kinder oder Enkel von dem Tumor ereilt zu werden. Wir haben deshalb eine Initiative zum Familiären Darmkrebs gestartet, die betroffene Angehörige auf die Bedeutung der Vorsorge-Koloskopie aufmerksam machen soll. Nähere Infos dazu gibt es auf unserem Patientenportal unter www.magen-darm-aerzte.de.“