Appell an die Vernunft

Gleichschaltung schadet dem Gesundheitswesen

31.01.2018

„Wir niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte sind fest davon überzeugt, dass das Nebeneinander von privater und gesetzlicher Versicherung unseren Spitzenplatz in der Gesundheitsversorgung sichert“, erklärt der Vorsitzende des Berufsverbandes (bng), Dr. Albert Beyer vor dem Hintergrund der anstehenden Koalitionsverhandlungen in Berlin.

Der in eigener Praxis tätige Facharzt äußert sich online auf dem Patientenportal der Magen-Darm-Ärzte ausführlich zu Für und Wider der Mischfinanzierung im deutschen Gesundheitswesen. Auf den ersten Blick wecke das natürliche Gerechtigkeitsempfinden Misstrauen, wenn für vergleichbare Leistungen unterschiedliche Preise bezahlt werden. Doch, so Beyer, wenn man ins Detail schaue, springe jedoch schnell ist ins Auge, dass es sich tatsächlich um eine Win-win-Situation handele.

Die unterschiedlichen Preise sind laut Beyer den unterschiedlichen Systemen geschuldet, in denen sie generiert werden. Die private Gebührenordnung lege ausgehandelte Preise fest, die es erlauben, kurzfristig medizinische Innovationen sowie zusätzliches qualifiziertes Personal in der ambulanten Behandlung bereit stellen zu können. Der Vergütung im Bereich des regulierten Systems der kassenärztlichen Versorgung sind hingegen starke Beschränkungen auferlegt. Der erzwungene günstige Vergütungsrahmen habe einen hohen Preis, sagt der Verbandsvorsitzende der Magen-Darm-Ärzte: „In der gesetzlichen Krankenversicherung wird nur eine bestimmte Menge an genau definierten Leistungen bezahlt. Darüber hinaus geht so gut wie nichts.“

„Im derzeitigen System erfolgt eine laufende Gegenfinanzierung des starren gesetzlich budgetierten Systems durch die Einnahmen von Praxen und Kliniken aus der Versorgung der Privatversicherten. Gesetzlich versicherte Patienten sind damit in der Lage, Geräte und auch Praxispersonal in Anspruch zu nehmen, die ohne diese Querfinanzierung nicht zur Verfügung stünden. Alle Patienten profitieren daher direkt von dem dualen System“, so Dr. Beyer.

Kapselendoskopie

Zwischen Innovation und Stagnation

15.01.2018

„Neue, medizinisch relevante Verfahren haben es schwer, ihren Weg in die ambulante Regelversorgung zu finden“, sagt Dr. Horst Hohn, der Experte für Kapselendoskopie im Berufsverband der niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte. „Die Hürden sind so hoch gehängt, dass sie vor dem Hintergrund der Versorgungsrealität kaum überwunden werden können.“

Der erfahrene Endoskopiker äußerte sich im Rahmen der jährlichen Zusammenkunft des Beirats der ambulant tätigen Magen-Darm-Ärzte am vergangenen Wochenende in Berlin. Bei dieser Veranstaltung wird neben berufspolitischen Aspekten regelmäßig die Versorgungslage von chronisch erkrankten Patienten erörtert, die aufgrund schwer wiegender Erkrankungen der Verdauungsorgane auf eine intensive Betreuung in der Facharztpraxis angewiesen sind.

Zu den betroffenen Patienten gehören unter anderen Menschen mit chronischen Entzündungen, die im Dünndarm lokalisiert sind. Der Dünndarm ist für endoskopische Untersuchungsmethoden sehr schwer zugänglich. Neben äußerlichen bildgebenden Verfahren wie Ultraschall, CT oder MRT und sehr aufwändigen endoskopischen Methoden steht dafür mit der Kapselendoskopie ein nicht belastendes und sehr aussagekräftiges Instrument zur Verfügung. Die Untersuchung erfolgt mit einer Videokapsel in Tablettengröße, die vom Patienten geschluckt wird und während der Darmpassage kontinuierlich hochauflösende Bilder von der Darmoberfläche aufzeichnet.

„Das Verfahren ist anderen Methoden deutlich überlegen und wird in medizinischen Leitlinien empfohlen“, erklärt Dr. Hohn. „Trotzdem kann es im Rahmen der gesetzlichen Krankenkassen von niedergelassenen Ärzten nicht für die Abklärung von chronischen Entzündungen im Dünndarm abgerechnet werden. Dazu müsste es erst ein Zulassungsverfahren durchlaufen, in dem Kosten und Nutzen auf der Basis von Studien bewertet werden. Da keine Studien mit ausreichender Qualität vorliegen und eine Finanzierung solcher Studien nicht in Sicht ist, besteht keine Aussicht auf Erfolg für einen Zulassungsantrag.“

Diese Sachlage führt dazu, dass der Arzt seine Entscheidung für oder gegen eine sehr teure Therapie zurzeit nicht auf die Basis einer effektiven Methode stützen kann, deren Überlegenheit eigentlich von keiner Seite in Abrede gestellt wird. Er muss stattdessen auf weniger geeignete Methoden zurückgreifen, die oft nur eine unsichere Einschätzung des Krankheitsbildes ermöglichen. „Zulassungsverfahren für neue Methoden sind ohne Zweifel erforderlich, um Wildwuchs im Versorgungsangebot zu unterbinden“ meint Dr. Hohn. „Aber es ist widersinnig, wenn die Kriterien für die Zulassung so gefasst sind, dass Methoden, die eine zuverlässige Entscheidung für hochpreisige Therapien absichern, keine Chance haben.“

Darmkrebs

In hohem Maße genetisch bedingt

08.01.2018

„Die Gene haben einen starken Einfluss auf das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken“, berichtet Dr. Jens Aschenbeck, der Darmkrebs-Experte der niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte. „Nach kürzlich veröffentlichten Ergebnissen einer groß angelegten Zwillingsstudie haben bis zu 40 Prozent aller Darmkrebsfälle eine erbliche Komponente.“

Im Rahmen der erwähnten Studie wurden Registerdaten von rund 100.000 skandinavischen Zwillingen aus den Jahren 1943 bis 2010 ausgewertet. Das durchschnittliche Darmkrebsrisiko lag bei 4,6 Prozent, das Risiko für Brüder oder Schwestern von erkrankten Zwillingen im Verlauf der nächsten Jahre ebenfalls zu erkranken war zwei bis drei Mal so hoch.

„Die neue Studie bestätigt klar, was wir schon lange wissen“, kommentiert Dr. Aschenbeck. „Nahe Verwandte von Darmkrebspatienten, insbesondere Geschwister, Eltern und Kinder, laufen Gefahr, ebenfalls von dieser lebensbedrohlichen Erkrankung befallen zu werden. Deshalb ist es wichtig, dass gerade diese Angehörigen beizeiten von den Vorsorge-Angeboten Gebrauch machen.“

Der Berufsverband der niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte (bng) hat eine Initiative „Familiärer Darmkrebs“ auf den Weg gebracht. Darmkrebspatienten sollen motiviert werden, ihre Verwandten auf das erhöhte Risiko aufmerksam zu machen und zur rechtzeitigen Wahrnehmung der Vorsorgemöglichkeiten anzuhalten. Die Aufklärung übernimmt speziell qualifiziertes Assistenzpersonal in den Praxen. Die Mitarbeiterinnen erwerben die nötigen Kompetenzen zur strukturierten Beratung in regionalen Schulungen, die der Berufsverband finanziert.

Wenn die Bürgerversicherung kommt

bleibt der medizinische Fortschritt auf der Strecke

18.12.2017

„Im Vorfeld möglicher Koalitionsverhandlungen singt die SPD so laut wie nie zuvor das Loblied auf die Bürgerversicherung, obwohl inzwischen immer mehr Beteiligte bis hin zu den Gesetzlichen Krankenversicherungen verstehen, dass an diesem Konzept nur der Name gut ist“, sagt Dr. Franz Josef Heil vom Berufsverband der niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte (bng).

Im Alltag zeigt sich der Unterschied zwischen GKV- und PKV-Patienten in den Praxen der Verdauungsmediziner vor allem beim Komfort. Verschwiegen wird in der Regel allerdings, dass die Möglichkeit der „privaten“ Behandlung auch eine Medizin erlaubt, die über staatlich geregelte Begrenzungen hinausgeht. In der GKV können neue Methoden oft nur mit jahrelanger Verzögerung oder gar nicht angeboten werden, weil die Mühlen der für die Zulassung zuständigen Gremien und Behörden nur sehr langsam mahlen.

Der Berufsverband der niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte hat schon vor mehr als zweieinhalb Jahren einen medizinisch gut begründeten Katalog neuer Leistungen für die gesetzliche Krankenversicherung vorgelegt. Eingeführt wurde bisher keine einzige dieser innovativen Methoden. „In unseren Praxen können wir alle von uns vorgeschlagenen medizinischen Behandlungen Privatpatienten seit Jahren anbieten, aber GKV-Patienten bleiben sie vorenthalten“, bedauert Dr. Heil.

Diese missliche, politisch verursachte Situation lässt führt dazu, dass sich die Behandlung von „Kassenpatienten“ immer weiter verschlechtert, die Behandlung von „Privatpatienten“ aber dem modernen medizinischen Standard entspricht, wie er in aktuellen Leitlinien definiert ist. Es ist absurd, daraus den Vorwurf einer vorgeblichen Zweiklassenmedizin zu konstruieren. Die Bürgerversicherung würde an der Situation nichts ändern, sondern im Gegenteil die Lage für alle Bürger weiter verschlechtern. Der Transfer des medizinischen Fortschritts in die ambulante Versorgung würde durch neue bürokratische Hürden noch stärker als bisher behindert.

Auf ihrem Patientenportal im Internet haben die Magen-Darm-Ärzte Informationen zum Innovationsstau in der ambulanten Versorgung zusammengestellt. Dort finden sich auch Beispiele für sinnvolle und international anerkannte Methoden, die GKV-Patienten nach wie vor vorenthalten bleiben: Informationen zum Innovationsstau.

15 Jahre Darmkrebsvorsorge

90 Prozent würden es wieder machen!

12.12.2017

„Die Darmspiegelung zählt zweifelsohne nicht zu den Lieblingsbeschäftigungen der Deutschen“, weiß Dr. Jens Aschenbeck, der Darmkrebsexperte der niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte. „Trotzdem würden heute 90 Prozent die Untersuchung wieder durchführen lassen. Denn die Unannehmlichkeiten sind im Vergleich zum Nutzen kaum noch der Rede wert.“

Mit dem konsequenten Angebot, die Untersuchung im Schlaf zu absolvieren, ist den Menschen die Angst vor Schmerzen genommen worden. Auch die Unannehmlichkeit eines Blähbauches ist kein Thema mehr, seit Kohlendioxid für die Darmspiegelung eingesetzt werden kann. Zudem wird die im Vorfeld leider unabdingbare Darmreinigung durch die Verringerung der Menge und die geschmackliche Verbesserung der Abführlösung wesentlich besser akzeptiert.

Seit diesem Jahr können noch nicht anspruchsberechtigte Bürger unter 55 Jahren darüber hinaus ein immunologischen Stuhltest (iFOBT) zur Vorsorge wählen. Dieser Test ist zwar genau, erfüllt seinen Zweck aber nur, wenn ein Polyp oder ein Tumor in den Darm blutet. Er kann aber auch bei anderen Blutungsquellen -z.B. Zahnfleischbluten – anschlagen. In jedem Fall soll das Ergebniss des Tests mit einem Arzt besprochen werden. Bei einem positiven Stuhltext steht immer eine Darmspiegelung an. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte sich lieber gleich für diese Untersuchung entscheiden.

„Heute weiß jeder, dass die Darmspiegelung wichtig ist, weil sie Krebs verhindern kann“, betont Dr. Aschenbeck. „Ein Einladungsverfahren kann nachgewiesenermaßen dazu beitragen, die Menschen zu bewegen, auch tatsächlich von dem Vorsorgeangebot Gebrauch zu machen. In Deutschland warten wir seit Jahren auf ein solches Verfahren. Es ist gesetzlich längst beschlossen, hängt aber leider immer noch in den Mühlen der Bürokratie.“

Bonus für die Krankenhäuser?

Praxispersonal darf nicht leer ausgehen!

04.12.2017

In einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel hat der Berufsverband der niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte (bng) darauf hingewiesen, dass jede künftige Bundesregierung für einen fairen Ausgleich sorgen muss, wenn sie die Weichen für die gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung neu stellt.

„Die Diskussion über den Mangel an Pflegepersonal in den Kliniken darf nicht den Blick dafür verstellen, dass die Medizinischen Fachangestellten in Arztpraxen eine genauso verantwortungsvolle Arbeit leisten wie die P?egekräfte in Krankenhäusern“, sagt der Verbandsvorsitzende Dr. Albert Beyer. Er betont, dass die Kostensteigerungen durch Tarifverträge niedergelassene Ärzte in gleicher Weise belasten wie die Krankenhäuser.

Medizinische Fachangestellte sind hochqualifizierte Experten im Umgang mit oft schwer erkrankten Patienten. In der Praxis des Magen-Darm-Arztes verfügen sie beispielsweise über spezielle Kenntnisse, um auf die Probleme von Menschen mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, Darmkrebs oder schweren viralen oder stoffwechselbedingten Lebererkrankungen und deren Folgen einzugehen. Sie verfügen über hochqualifiziertes Know-how, um bei technisch anspruchsvollen Diagnose- und Therapieverfahren assistieren zu können und übernehmen Verantwortung in so wichtigen Bereichen wie der Hygiene in der Praxis.

„Die CDU-Ministerpräsidenten haben sich im Vorfeld von Koalitionsverhandlungen in Abstimmung mit Bundesminister Hermann Gröhe erklärt, dass die P?ege in den Krankenhäusern durch bessere Arbeitsbedingungen und Bezahlung gestärkt werden muss. Die Refinanzierung von Tariflöhnen für zusätzliches Personal und Tarifsteigerungen soll dabei durch die öffentliche Hand übernommen werden“, sagt Dr. Beyer. „Wir vermissen hier die Einsicht, dass auch im ambulanten Sektor Personalkosten und Personalkostensteigerungen anfallen. Kein Politiker bestreitet den hohen Stellenwert der ambulanten Versorgung. Deshalb sollten unseres Erachtens im ambulanten wie im stationären Sektor zumindest die gleichen Bedingungen bei der Refinanzierung der Personalkosten gelten.“

Darmkrebs-Nachsorge per Smartphone

Alle Termine auf einen Blick

27.11.2017

„Die Flut der Kommunikations- und Unterhaltungstools für Smartphone-Nutzer lässt leicht übersehen, dass dieser niederschwellige Kommunikationskanal sehr effektiv genutzt werden kann, um die Eigenverantwortlichkeit und Selbstbestimmung von Patienten zu stärken“, sagt Dr. Ulrich Tappe. Der niedergelassene Magen-Darm-Arzt verweist dabei auf die Nachsorge-APP, die sein Berufsverband den behandelnden Ärzten für Darmkrebspatienten zur Verfügung stellt.

Nach einer mit Heilungsabsicht durchgeführten Darmkrebsoperation darf sich der Patient zu Recht die Hoffnung machen, auch tatsächlich geheilt zu sein. Dennoch sind Rückfälle nicht ausgeschlossen. Früh erkannt, kann aber auch ein solcher Rückfall noch geheilt werden. Absiedelungen in Lunge und Leber werden heute häufig nochmals einer Operation zugeführt. Durch eine multimodale Behandlung mit Chemotherapie, Bestrahlung und Operation kann die Lebensqualität und Lebenszeit gewonnen werden. Eine Nachsorge nach Darmkrebsoperationen sollte daher verpflichtend erfolgen. Außerdem tragen Darmkrebspatienten weiterhin ein erhöhtes Risiko erneut an einem Darmkrebs zu erkranken.

Die App der niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte informiert den Patienten über seine Nachsorgetermine nach einer Dick- oder Mastdarmkrebs-Operation. Dafür benötigt er einen QR-Code, den sein behandelnder Arzt nach Registrierung auf der Webseite des Berufsverbandes der Magen-Darm-Ärzte generieren kann. Wenn der Patient die Terminliste auf sein Smartphone in die bng-App geladen hat, kann er einen Zeitpunkt festlegen, zu dem er einen Hinweis auf die anstehende Untersuchung erhalten möchte.

„Die Nachsorge-Termine bieten ein unverzichtbares Sicherheitsnetz für die Patienten selbst“, betont Dr. Tappe. „Wichtig ist darüber hinaus, dass die Betroffenen an ihre Verwandten ersten Grades denken. Denn es besteht die Gefahr, dass auch Eltern, Geschwister, Kinder oder Enkel von dem Tumor ereilt zu werden. Wir haben deshalb eine Initiative zum Familiären Darmkrebs gestartet, die betroffene Angehörige auf die Bedeutung der Vorsorge-Koloskopie aufmerksam machen soll. Nähere Infos dazu gibt es auf unserem Patientenportal unter www.magen-darm-aerzte.de.“

Deutscher Lebertag

Magen-Darm-Ärzte empfehlen Vorsorge

20.11.2017

„Unsere Lebensweise ist oft von übermäßiger Ernährung und Bewegungsarmut geprägt. Das hat gesundheitliche Konsequenzen“, sagt Dr. Karl-Georg Simon. Der Leberexperte der niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte erinnert anlässlich des heutigen Deutschen Lebertages daran, dass Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck und Fettleber trotz aller Aufklärung nach wie vor unterschätzt werden.

„Natürlich bemerkt es jeder, wenn sein Bauchumfang zunimmt und die Gelenke steifer werden“, erläutert Dr. Simon. „Genauso selbstverständlich neigen wir allerdings dazu, darin eher Unpässlichkeiten zu sehen als ernsthafte Gesundheitsgefährdungen. Wir sind Weltmeister im Verdrängen: Wir können tagtäglich um uns herum feststellen, welche Folgen lebenswandelbedingte Stoffwechselerkrankungen für unsere Mitmenschen haben. Trotzdem sind wir weit davon entfernt, daraus zu schließen, dass wir selbst demnächst genauso betroffen sein können.“

Die Verfettung der Leber ist eine besonders tückische Gesundheitsgefahr, weil Betroffene davon in der Regel nichts bemerken. Schleichend wird das Organ immer weiter beeinträchtigt, bis es schließlich kaum noch reparable Funktionseinbußen aufweist. „Das verborgene Risiko wird sichtbar, wenn der Hausarzt regelmäßig bei Kontrolluntersuchungen die Leberwerte bestimmt“, empfiehlt Dr. Simon. „Wenn die Normwerte in Ordnung sind, muss man sich keine Sorgen machen. Anderenfalls sollte man entschlossen handeln, bevor es zu spät ist.“

Die niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte begrüßen die Forderung der Fachgesellschaft für Verdauungskrankheiten, die Bestimmung der Leberwerte als festen Bestandteil in den „Check-up 35“ aufzunehmen. Darüber hinaus befürworten sie ein Register zur Erfassung der Versorgungssituation in Deutschland, mit dem eine Basis für die Früherkennung gefährdeter Patienten mit Fettlebererkrankung geschaffen werden soll. Den Betroffenen könnte dann ein intensiviertes Therapiemanagement angeboten werden, das eine optimierte Ernährung, Gewichtsabnahme und regelmäßige Bewegung umfasst.

Einmalprodukte in der Endoskopie

Magen-Darm-Ärzte bleiben auf den Kosten sitzen

13.11.2017

Biopsiezangen zur Entnahme von Gewebeproben und Polypektomieschlingen zur Entfernung von Darmkrebsvorstufen aus dem Dickdarm sind unverzichtbare Zusatzinstrumente, die der Magen-Darm-Arzt bei einer Darmspiegelung einsetzt. Während Kliniken hierfür meist Sondervereinbarungen zur Sachkostenerstattung mit den Kostenträgern vereinbaren können, bleiben Praxisbetreiber oft auf den Kosten für Einmal-Endoskopiezubehör sitzen.

Grund ist ein Dilemma, das aus widersprüchlichen Hygienebestimmungen und deren Interpretation durch die regional zuständigen Behördenvertreter erwächst: Es werden für Klinik und Praxis wiederverwendbare Zusatzinstrumente für die Endoskopie auf dem Markt angeboten, für die die Hersteller aber keine anerkannten Wiederaufbereitungsverfahren liefern. Aufgrund einer neuen Interpretation der Hygienerichtlinie wird die Aufbereitung dieser Produkte trotz Zulassung am deutschen Markt in letzter Zeit durch die Aufsichtsbehörden bei Hygienekontrollen untersagt. Praxisbetreiber und Kliniken sind genötigt, auf Einmalprodukte zurückzugreifen. Für Einmalprodukte verweigern die Kostenträger jedoch isoliert im ambulanten Bereich die Kostenübernahme mit dem Hinweis, dass wiederaufbereitbare Instrumente nach wie vor auf dem Markt gebracht werden. Solange diese Situation besteht, könne es keine Vereinbarung zur Sachkostenübernahme geben.

„Das hört sich an wie ein Schildbürgerstreich“, sagt Dr. Albert Beyer, der Vorsitzende des Berufsverbandes der Magen-Darm-Ärzte. „Einer sinnvollen ambulanten Versorgung werden einmal mehr Knüppel zwischen die Beine geworfen.“ Tatsache ist, dass Hersteller-Anweisungen zur Aufbereitung wiederverwendbarer endoskopischer Zusatzinstrumente der so genannten Gruppe „Kritisch-B“ nicht mehr als rechtskonform erachtet werden. Daher ist aus Sicht der Magen-Darm-Ärzte auch ihr Vertrieb nicht mehr statthaft. Der Berufsverband niedergelassener Gastroenterologen (bng) fordert deshalb die Hersteller nun auf, diese Produkte binnen einer Frist von vier Wochen aus dem Handel zu nehmen.

Dieser Schritt ist ein wesentlicher Beitrag zu noch höherer Patientensicherheit in Praxis und Klinik. Darüber hinaus gehen die niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte davon aus, dass dann die Kostenerstattung des endoskopischen Einmal-Zusatzinstrumentariums sowohl im ambulanten als auch im stationären Bereich mit den Kostenträgern rasch geklärt werden kann. „Die Hersteller sind dazu angehalten, durch freiwillige Rücknahme der genannten wiederaufbereitbaren Produkte vom deutschen Markt für Klarheit und Chancengleichheit zu sorgen“, betont Dr. Beyer. „Ein umständliches und zeitraubendes Verfahren über die Herstellerüberwachung bliebe damit allen Beteiligten erspart.“

Langmütig aber tückisch

Wer seine Leber missachtet, muss mit den Folgen leben

06.11.2017

„Die Leber ist ein sehr stark beanspruchtes Organ, das für viele Aufgaben im Stoffwechsel unverzichtbar ist“ sagt Dr. Karl-Georg Simon vom Berufsverband der niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte. „Sie ist sehr robust und toleriert schädliche Einflüsse verschiedenster Art. Darin liegt allerdings auch die Gefahr. Die Leber macht nämlich keine Beschwerden, selbst wenn sie über lange Zeit fortwährend einem zerstörerischen Stress ausgesetzt wird.“

Neben viralen Infektionen und übermäßigem Alkoholkonsum setzen der Leber an allererster Stelle Fetteinlagerungen zu, die auf Fehlernährung und Bewegungsmangel zurückzuführen sind. Es besteht ein starker Zusammenhang zwischen dem Body-Mass-Index (BMI) und dem Neuauftreten einer Fettlebererkrankung. Im Verlauf der übermäßigen Fetteinlagerung in der Leber verschlechtern sich die Organfunktionen schleichend, und zwar in der Regel ohne dass der Betroffene davon etwas bemerkt.

Patienten, die unter den Folgen einer Fettlebererkrankung leiden, werden mittelfristig einen erheblichen Versorgungsaufwand erfordern, wenn nicht rechtzeitig gegengesteuert wird. Magen-Darm-Ärzte warnen eindringlich vor den absehbaren Belastungen für das Gesundheitssystem. „Wir müssen davon ausgehen“, so Dr. Simon, „dass in Deutschland fast ein Drittel der übergewichtigen Menschen unbemerkt eine Fettleber entwickeln wird.“

Wer sein Risiko erkennt, der kann in den meisten Fällen durch geeignete Maßnahmen der Gefahr ernsthafter Erkrankungen entgehen. Die niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte empfehlen, regelmäßig die Leberwerte (GPT, GOT und GGT-Wert) beim Hausarzt überprüfen zu lassen. Erhöhte Werte zeigen an, dass die Gefahr einer Lebererkrankung bestehen kann. Die genauere Abklärung erfolgt dann beim Magen-Darm-Arzt, dem Facharzt für Verdauungskrankheiten, der gegebenenfalls eine geeignete Therapie einleiten kann.